🌱 Mythos „Wasserwurzel“

In sozialen Medien liest man häufig, dass Pflanzen, die in Wasser bewurzelt wurden (z. B. Stecklinge), sogenannte Wasserwurzeln bilden – und dass diese nach dem Einpflanzen in Erde durch Erdwurzeln ersetzt werden müssten. Doch das ist ein weitverbreiteter Irrtum.

âś… Fakt : Es gibt keine zwei Wurzeltypen

Aus botanischer Sicht gibt es keinen morphologischen Unterschied zwischen einer Wurzel, die sich im Wasser entwickelt hat, und einer Wurzel, die in festem Substrat gewachsen ist. Die Zellstrukturen und der Aufbau – also Hauptwurzel, Seitenwurzeln und Wurzelhaare – sind in beiden Fällen gleich. Es handelt sich also nicht um zwei unterschiedliche „Wurzeltypen“, sondern die sichtbaren Unterschiede sind eine natürliche Reaktion der Pflanze auf das jeweilige Medium.

Unterschiede in der Wurzelbildung in Wasser oder Substrat

In einer Wasserkultur sind die Wurzeln wenig verzweigt und bilden wenig Haarwurzeln. Im Gegensatz dazu bildet die Pflanze in einem festen Substrat ein sehr viel verzweigteres Wurzelwerk mit sehr vielen Haarwurzeln aus.

In einer Wasserkultur sind die Haupt- und Nebenwurzeln vollständig von Wasser umgeben. Durch den direkten Kontakt  kann die Pflanze ĂĽber den Vorgang der Osmose Wasser und Nährstoffe aufnehmen und die Pflanze muss keine zusätzliche Energie aufwenden, um die feinen Wurzelhaare zu bilden.

Wird die Pflanze in ein festes Substrat eingetopft, steht dort deutlich weniger frei verfügbares Wasser zur Verfügung. Es befindet sich vor allem als sogenanntes Kapillarwasser in den feinen Poren des Substrats oder als Haftwasser in dünnen Schichten um die Substratkrümel. In den größeren Hohlräumen zwischen den Substratkrümeln gibt es kein freies Wasser – dort entsteht nur gesättigter Wasserdampf durch ständigen Zyklus von Verdunstung und Kondensation. Um unter diesen Bedingungen genug Wasser und Nährstoffe aufnehmen zu können, bildet die Pflanze vermehrt Haarwurzeln.

💬 Wortschöpfung statt Wissenschaft

Der Begriff „Wasserwurzel“ stammt nicht aus der Botanik, sondern ist eine umgangssprachliche Erfindung – oft in sozialen Medien verwendet.
Wie bei anderen Begriffen (z. B. „Luftwurzeln“) wirkt er plausibel, ist aber in diesem Fall biologisch ungenau und kann zu Missverständnissen führen.

⚠️ Mythos führt oft zu Pflegefehlern

Viele glauben, dass die Wasserwurzeln nach dem Einpflanzen nutzlos seien oder sogar absterben müssten. Das führt zu unnötigem Umtopfen, falscher Pflege oder Düngestress.
Tatsächlich gilt: Die Pflanze braucht nur etwas Zeit, um sich an das neue Milieu anzupassen – ganz ohne „Wurzelwechsel“.

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